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Für Pilger ist der Weg das Erlebnis

Auf der Bonifatius-Route gelegen: Die Düdelsheimer Evangelische Kirche, davor die Eheleute Margit und Ulrich Borst vom Apfelstübchen

Sie gehören zu den „Pionieren“ der gastgebenden Mitgliedsbetriebe an der  Bonifatius-Route: die Eheleute Margit und Ulrich Borst in Büdingen-Düdelsheim. Sie  können viel erzählen von den Pilgern, die in ihrem „Apfelstübchen“ seit 2005 übernachtet haben.  Für ihre Gäste halten die „Herbergswirte“ auch die neue kostenlose Grußkarte des Vereins der „Boni-Route“ bereit.

BÜDINGEN: In Düdelsheim steht die Evangelische Kirche mitten im Dorf. Ein mehr als mannsgroßer Pilgerstab zeigt an einem Nebengebäude den Menschen, das sie an der Bonifatius-Route liegt. Direkt gegenüber „Bei der Kirche“ (so die Postadresse) ein schieferverkleidetes Haus mit großem, kopfstein gepflastertem Innenhof die Hausnummer 6: „Das Apfelstübchen“ von Margit und Ulrich Borst. Seit zwölf Jahren sind die Eheleute Gastgeber an der „Boni-Route“ und zählen  damit zu den Pionieren unter den Mitgliedsbetrieben des Vereins Bonifatius-Route.

Bereits im Frühjahr hatte Margit Borst, gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, bereits mehr als 20 Anfragen von Pilgern. Vier Doppelzimmer (auch als Einzelzimmer buchbar), halten sie und ihr Mann für Übernachtungsgäste ganzjährig bereit. „Als die Bonifatius-Route 2004 eingeweiht und erstmals begangen wurde, da waren so viele Menschen hier in Düdelsheim“, erinnert sich Ulrich Borst. „Sie übernachteten in der Turnhalle. Da dachte ich, das wäre ein einmaliges Ereignis.“ Doch für den heute 66jährigen Stadtplaner im Ruhestand und seine zwei Jahre jüngere Ehefrau begann mit dem „einmaligen Ereignis“ ein neuer Lebensabschnitt. Sie entschlossen sich, unterstützt vom Zuspruch ihrer vier Töchter, ihr Haus in eine Pension umzuwandeln. Für Touristen,  Radler, Wanderer - und als gläubige Protestanten insbesondere für Pilger auf der „Boni-Route“ Gastgeber zu sein.

„Wer die Gemeinschaft sucht, kann sich dazu setzen“
So viele Geschichten können die Borsts erzählen von ihren Erlebnissen in den vergangenen Jahren, seit sie ihr Haus für erstmal fremde Menschen geöffnet haben: Von der irischen Schäferin, die die 180 Kilometer von Mainz nach Fulda gelaufen ist. Von der sechsköpfigen Familie, die ihr jüngstes Kind über die gesamte Strecke getragen hat. Von dem Priesterseminaristen oder dem jungen, fast mittellosen Pärchen, das unangemeldet im strömenden Regen abends vor der Tür stand und um Obdach bat, weil es draußen einfach zu nass war, um ein Zelt aufzubauen. „Die beiden waren wie Maria und Josef“, erinnern sich die Bosts.

„Pilger sind gut drauf“, sagen die Eheleute unisono. „Sie sind glücklich, wenn sie ein Bett, eine Dusche haben und ein gutes Frühstück bekommen.“ Dass die Dusche dabei im „Apfelstübchen“ nicht im Zimmer ist, sondern auf der Etage, sei für ihre Gäste noch kein Problem gewesen.  „Wir haben eben kein Hotel“, sagt Margit Borst - durchaus mit Stolz. Denn in diesem wäre es nicht denkbar, dass die Gäste  sich vom Frühstückstisch aus Brötchen, Wurst und Käse noch eine Brotzeit für den Tag mitnehmen können. Wie dankbar die Gäste im „Apfelstübchen“ für die herzliche und familiäre Aufnahme sind, belegen die vielen Einträgen in den nun bereits vier Gästebüchern. „Pilger“, ergänzt Ulrich Borst noch, „brauchen, wenn sie ankommen, nichts Besonderes mehr zu erleben. Ihr Erlebnis ist der Weg.“

Umso mehr schätzten ihre Gäste, dass sie, wann immer das Wetter es zulässt, im Hof von ihrem Tag erzählen können. In offener Runde, bei einem Glas selbstgekeltertem Apfelsaft. „Wer die Gemeinschaft sucht“, sagt Margit Borst, „kann sich dazu setzen.“ Es sind Gespräche über Gott und die Welt. So vielfältig wie die Menschen, die auf der Boni-Route laufen. Etwa ein Drittel, haben die Borsts festgestellt, sind Frauen, die sich allein auf den Weg machen. Aus gesundheitlichen Gründen, um zu sich selbst zu finden oder ein spirituelles Erlebnis zu haben. Auch wenn es in den Gesprächen auch um religiöse Fragen gehen kann, die Konfession spiele keine Rolle. Dass die Evangelische Kirche gegenüber eine „offene Kirche“ ist und jedermann tagsüber zu einem Besuch einlade, schätzten nicht nur die Pilger.

Zwölf Jahre, in denen die Borsts Menschen aus Flörsheim, aus Frankfurt, aus Thüringen oder Nordrhein-Westfalen ebenso wie aus Norwegen, Spanien oder Italien zu Gast hatten. Und mit ihnen, wenn auch manchmal nur für einen Tag in ihrem Haus „Bei der Kirche“ in Düdelsheim, Tür an Tür lebten. Keinen Moment haben die beiden ihre Entscheidung bereut. Ulrich Borst: „Wir sind seitdem viel offener geworden.“

Und wie es zu dem Namen „Apfelstübchen“ kam: „In einem kleinen Apfel, da sieht’s ganz lieblich aus, es sind darin fünf Stübchen, grad wie in einem Haus.“

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veröffentlicht am: 08.09.2017

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